Wenn der Weihnachtsmann sich auf dem Weg nach Asien macht…

Vor einigen Jahren, als im Westen überall Weihnachtsbeleuchtung an den Häusern zu sehen waren und die Kinder auf den Weihnachtsmann warteten, war der 25. Dezember für Chinesische Kinder ein ganz normaler Tag. Weihnachten war ihnen so fremd, wie für uns das chinesische Laternenfest oder das Drachenbootfest.

Jedoch hat die Globalisierung den guten alten Weihnachtsmann auch nach China gebracht. Seit einigen Jahren interessieren sich die Chinesen immer mehr für diese Tradition und den Weihnachtsmann sieht man in vielen Schaufenstern und Restaurants, ob in Kunming, Schanghai oder Xi’An.

"Merry Xmas China", von numb3r

In den großen Städten, wo mit der Entwicklung zahlreiche Kaufzentren erschienen sind, ist Weihnachten wie in Europa oder in den USA die Gelegenheit Geld auszugeben und sich etwas zu gönnen. Und wie französische oder deutsche Eltern ihre Kinder für Halloween verkleiden, gibt es chinesische Eltern, die ihre Kinder verwöhnen um sie nicht zu enttäuschen. In weniger entwickelten Städten werden einige Restaurants und Geschäfte auch mit Weihnachtsmännern oder Lichterketten dekoriert, zwischen gebrauchten Fahrrädern und getrocknetem Fisch.

In Singapur ist die Situation ein wenig anders. Das Stadtstaat, ehemalige britische Kolonie, ist seit langer Zeit ein Migrationsland. Seine Bürger sind hauptsächlich chinesischer, malaiischer und indischer Abstammung. Daraus folgt eine große kulturelle und religiöse Vielfalt, die sich in den Singapurer Feiertagen widerspiegelt, wie das Chinesische Neujahrsfest, das Hinduistische Diwali, das Islamische Hari Raya Puasa (oder Eid ul-Fitr), das Buddhistische Vesakhfest oder Karfreitag. Der 25. Dezember ist also ein Feiertag für Alle, ob es Christen sind oder nicht, und Weihnachten gehört seit Jahrzehnten zu den lokalen Sitten.

Weihnachtsbeleuchtungen in Singapur, von Jerry Wong.

Schon ab November herrscht eine sehr festliche Stimmung in der Stadt. Schaufenster und Straßen sind mit bunten Beleuchtungen oder sogar (künstlichen) Tannenbäumen dekoriert und in jedem Laden sind Weihnachtslieder zu hören. In einigen Einkaufszentren werden sogar Shows mit künstlichem Schnee angeboten, in Anderen können die Kinder den Weihnachtsmann besuchen. Die große Shopping-Straße Orchard Road bietet den beeindruckendsten Anblick und zieht jedes Jahr zahlreiche Turisten an. Es werden viele Events über Weihnachten organisiert, wie zum Beispiel Konzerte oder Theaterstücke. Singapur lässt sich dafür nicht Lumpen.

Weihnachten in einem Singapurer Kaufzentrum, von William Cho

Weihnachten wird in der Familie, unter Freunden oder auch mit Kollegen gefeiert. Viele Firmen organisieren ein kleines Weihnachtsfest, wo die Mitarbeiter einen anderen Mitarbeiter etwas schenken. Der Einfluss der Westlichen Kultur, geholfen durch amerikanische Filme und Serien, die dort sehr populär sind, prägt die Weise, wie man Weihnachten feiert: opulente Gerichte mit Truthahn (oder Durian für die Mutigsten), Geschenke, Tannenbaum, Dekorationen, Weihnachtsmann, etc. Außerdem wird Singapur von vielen als Shopping-Paradies gesehen, und so bietet diese Jahreszeit auch eine Gelegenheit für Geschäfte einen großen Umsatz zu machen. Der Kaufrausch vor Weihnachten hat diesen Weltteil also nicht geschont. Weihnachten ist überall, was ein bisschen verwirrend ist, wenn man weiß, dass es draußen 32°C warm ist.

Warum dieser Blog?

Wir schreiben diesen Blog im Rahmen unserer Bildung: wir sind 5 Studentinnen im 5. Jahr am ISIT, das Institut für interkulturelles Management und interkulturelle Kommunikation (Institut de traduction et de communication interculturels) in Paris. Wir studieren alle 5 im Master Interkulturelle Kommunikation und Übersetzung (Communication interculturelle et traduction – CIT) und sprechen jeweils 3 bis 4 Sprachen, darunter Englisch, Chinesisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch und natürlich auch Französisch. Da wir sehr gern reisen, heißt dieser Blog „40 000 Kilometer“, so viel wie der Erdumfang.

Abgesehen von unserer Leidenschaft für Fremdsprachen interessieren wir uns auch sehr für das Austauschen, das Entdecken und das Verstehen der verschiedenen Kulturen dieser Welt. Man braucht nämlich nicht nur sehr gute Sprachkenntnisse, um eine Kultur zu verstehen sondern auch gute Kenntnisse über Interkulturalität. Von der Entdeckung der chinesischen Minderheiten bis hin zu Singapurs Lebhaftigkeit wissen wir, dass man sich in der interkulturellen Erkundung immer in Frage stellt um die Vorurteile zu überwinden und einen Fremden verstehen zu können. Hier sehen wir, wie wichtig interkulturelle Kommunikation ist. In diesem begeisternden und komplexen Fach liegt der Schwerpunkt unseres Studium. Es befasst sich mit anderen Kulturen, ihre Geschichte und ihre Identität, bleibt aber noch verkannt. Der Blog wird also die Bedeutung und die Herausforderungen der interkulturellen Kommunikation durch konkrete Beispiele erklären.

Außerdem müssen wir als Übersetzungsstudentinnen oft gegen Vorurteile über unsere Bildung und unsere zukünftige Arbeit kämpfen. Viele kennen den Unterschied zwischen Übersetzen und Dolmetschen nicht, und wenige wissen wie schwierig diese Tätigkeiten sein können. Um die Vorurteile über Übersetzung zu überwinden, werden wir den Master Interkulturelle Kommunikation und Übersetzung, in dem wir am ISIT studieren, vorstellen – mit den verschiedenen Arbeiten und Schwerpunkten. Wir  werden auch persönliche Erlebnisse analysieren, Gespräche mit verschiedenen Persönlichkeiten veröffentlichen, den Lesern – ob erfahren oder unerfahren – die verschiedenen Seiten der Übersetzung versuchen zu erklären.

Indem wir unser Studium vorstellen, seltsame Begegnungen und Anekdoten erzählen, möchten wir unsere Leidenschaft für Interkulturalität mit euch teilen.

Viel Spaß beim Lesen!